Ratgeber · Wissen rund ums Dach

Was steckt im Stundensatz eines Dachdeckers?

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 23. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt
  • Der tarifliche Stundenlohn eines Mitarbeiters macht nur einen Teil des Stundenverrechnungssatzes aus.
  • Der Rest ist kein Aufschlag, sondern deckt Lohnnebenkosten, unproduktive Zeiten, Sicherungstechnik, Fahrzeuge, Versicherungen und Gemeinkosten.
  • Der Materialanteil am Umsatz im Dachdeckerhandwerk lag 2024 bei 34,6 Prozent. Der größere Teil ist Arbeit.

Kaum eine Position in einem Angebot löst so viele Rückfragen aus wie der Stundensatz. Die Frage dahinter ist berechtigt: Wohin geht das Geld, wenn der Geselle davon nur einen Teil bekommt? Hier ist die Rechnung, offen aufgemacht, ohne Zahlenspiele: Lohnwerte und Sätze ändern sich mit jeder Tarifrunde, die Bestandteile nicht.

Stundenlohn oder Stundenverrechnungssatz: Was ist der Unterschied?

Der Stundenlohn ist das, was der Mitarbeiter für eine Arbeitsstunde erhält; der Stundenverrechnungssatz ist das, was der Betrieb für eine Arbeitsstunde berechnen muss. Der Lohn im Dachdeckerhandwerk richtet sich nach dem bundesweit geltenden Tarifvertrag; einen eigenen NRW-Tarif gibt es nicht. Die aktuellen Tariflöhne veröffentlicht die Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks; wir nennen sie hier bewusst nicht, weil sie mit jeder Tarifrunde steigen und ein Beitrag mit alten Zahlen mehr verwirrt als erklärt.

Entscheidend ist das Verhältnis: Der tarifliche Stundenlohn eines Mitarbeiters macht nur einen Teil des Stundenverrechnungssatzes aus. Alles, was der Betrieb zusätzlich trägt, damit dieser Mitarbeiter gesichert, versichert, ausgerüstet und pünktlich auf dem Dach steht, kommt obendrauf.

Warum ist der Verrechnungssatz so viel höher?

Weil der Tariflohn nur der Betrag ist, der beim Mitarbeiter ankommt. Lohnnebenkosten, unproduktive Zeiten, Sicherungstechnik, Fahrzeuge, Versicherungen und Gemeinkosten kommen hinzu: Alles, was ein Betrieb braucht, um diesen Mitarbeiter überhaupt aufs Dach zu bekommen, steckt im Stundenverrechnungssatz. Die Bestandteile im Einzelnen:

  • Lohnnebenkosten. Sozialversicherung, Urlaubs- und Feiertagsvergütung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Beiträge zur Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks.
  • Unproduktive Zeiten. Fahrt zur Baustelle, Auf- und Abladen, Materialbeschaffung, Aufmaß, Schlechtwettertage, Weiterbildung, Sicherheitsunterweisungen. Was der Beruf körperlich verlangt und wie wir gegensteuern, steht im Beitrag Knochenjob Dach.
  • Sicherungstechnik. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, Auffangsysteme, Anschlagmittel, deren Prüfung und Ersatz.
  • Fahrzeuge und Geräte. Werkstattwagen, Anhänger, Dachdeckeraufzug, Arbeitsbühne, Werkzeug.
  • Versicherungen. Im Dachdeckerhandwerk deutlich teurer als in anderen Gewerken, weil das Absturz- und Haftungsrisiko höher ist.
  • Gemeinkosten. Betriebsstätte, Lager, Verwaltung, Angebotserstellung, Nachkalkulation, Rechnungslauf.
  • Unternehmerrisiko und Gewinn. Der Teil, der Investitionen, Ausbildung und schlechte Jahre trägt.

Zu Verrechnungssätzen im Dachdeckerhandwerk gibt es keine amtliche oder verbandsseitige Statistik. Die Zahlen, die im Netz kursieren, stammen von Vermittlungsportalen und liegen weit auseinander. Belastbar ist deshalb nur der Ansatz: Der Stundenverrechnungssatz liegt deutlich über dem Tariflohn, weil er alles Genannte mitfinanzieren muss.

Ist beim Handwerker vor allem das Material teuer?

Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks weist für 2024 einen Material- und Warenanteil von 34,6 Prozent am Umsatz aus; 2023 waren es 36,1 Prozent, 2022 sogar 40,5 Prozent. Knapp zwei Drittel entfallen damit auf Arbeit und Betrieb.

Der Anteil sinkt also, obwohl Material teurer geworden ist. Der Grund ist, dass die Arbeitskosten noch stärker gestiegen sind. Knapp zwei Drittel dessen, was du zahlst, ist Arbeit und Betrieb, nicht Ware.

Warum ist Dachdeckerarbeit teurer als andere Gewerke?

Wegen des Arbeitsplatzes: Absturzrisiko mit vorgeschriebener Sicherungstechnik, Wetterabhängigkeit und hoher Transportaufwand.

Drei Gründe, die alle mit dem Arbeitsplatz zu tun haben.

  1. Absturzrisiko. Ab 2 Meter Absturzhöhe sind Schutzmaßnahmen zwingend, ab einer Dachneigung über 22,5 Grad in der Regel Dachfanggerüste oder Dachschutzwände. Diese Technik muss vorgehalten, transportiert, aufgebaut und geprüft werden.
  2. Wetterabhängigkeit. Ein offenes Dach ist ein Risiko. Geöffnete Dachflächen werden entsprechend dem Baufortschritt witterungssicher beziehungsweise mit geeigneten Behelfsdeckungen gesichert. Das kostet Zeit, die niemand direkt sieht. Wie sich daraus der Gesamtpreis einer Sanierung zusammensetzt, steht im Beitrag Was kostet ein neues Dach?
  3. Transportaufwand. Jedes Kilogramm Material muss nach oben. Ziegel, Latten, Dämmung, Bleche, und der Bauschutt wieder hinunter.

Warum kostet eine kleine Reparatur verhältnismäßig viel?

Weil ein großer Teil der Kosten unabhängig von der Größe des Schadens anfällt. Anfahrt, Sicherungstechnik und die sichere Zugänglichkeit sind bei einem verschobenen Ziegel fast dieselben wie bei zehn.

Das ist die Rückfrage, die wir am häufigsten hören: Der Ziegel kostet ein paar Euro, warum steht auf der Rechnung ein Vielfaches? Die Antwort liegt nicht im Material, sondern im Weg dorthin.

Posten Hängt vom Schadensumfang ab?
An- und Abfahrt, Auf- und Abladen nein
Zugangstechnik und Absturzsicherung kaum
Aufnahme des Befunds und Dokumentation kaum
eigentliche Reparaturzeit ja
Material ja

Deshalb lohnt es sich fast immer, kleine Arbeiten zu bündeln. Wenn die Zugangstechnik ohnehin steht, kostet die zweite und dritte Position deutlich weniger als die erste. Frag bei der Terminvereinbarung ruhig nach, was sich im selben Zug miterledigen lässt.

Was das für dich heißt: Eine Reparatur ist selten zu teuer, weil zu lange gearbeitet wurde. Sie wirkt teuer, weil die Nebenkosten auf eine kurze Arbeitszeit treffen. Ein Angebot, das diese Posten offen ausweist, ist deshalb nachvollziehbarer als eine runde Summe.

Was bedeutet das für dein Angebot?

Ein auffällig niedriger Stundensatz ist kein Schnäppchen, sondern eine Frage. Bei Sanierungen rechnen wir ohnehin überwiegend mit Einheitspreisen statt nach Stunden. Mit den genannten Bestandteilen lässt sich ein sehr niedriger Satz kaum darstellen, wenn ordentlich abgesichert, versichert und ausgebildet wird.

In unseren Angeboten arbeiten wir überwiegend mit Einheitspreisen je Quadratmeter oder je Meter statt mit Stundenlohn. Das ist für dich besser kalkulierbar, weil du den Preis vorher kennst und nicht davon abhängst, wie schnell jemand arbeitet. Wie du ein Angebot im Detail liest, steht im Beitrag zum Angebotsvergleich, und was gilt, wenn die Schlussrechnung höher ausfällt als das Angebot, im Beitrag Schlussrechnung höher als das Angebot.

Wo Stundenlohn sinnvoll bleibt: Bei Reparaturen und bei Arbeiten, deren Umfang sich vorher nicht bestimmen lässt. Dann vereinbaren wir den Satz vorher und dokumentieren die Zeiten nachvollziehbar.

Angebot statt Stundenschätzung

Wir messen auf und legen Einheitspreise vor, damit du vorher weißt, was die Arbeit kostet. Der Besichtigungstermin einschließlich grober Prüfung und Angebot ist kostenlos und unverbindlich. Was vor einer Sanierung zu klären ist: Dachsanierung planen: Kosten und Ablauf.

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Weiterlesen zu Wissen rund ums Dach: Wie vergleiche ich zwei Dachdecker-Angebote richtig?, Was kostet ein neues Dach? und Knochenjob Dach: Wie wir unsere Leute schützen. Alle Beiträge im Ratgeber.

Dieser Beitrag informiert allgemein und nennt bewusst keine Lohn- und Satzwerte; die geltenden Tariflöhne des Dachdeckerhandwerks veröffentlicht die Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks (SOKA-DACH). Materialanteil nach den Kennzahlen des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Stand: September 2026.