Ratgeber · Betrieb und Ausbildung

Knochenjob Dach: Wie wir unsere Leute schützen

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 31. August 2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt
  • Auf dem Dach treffen Hitze, Materialtransport und Arbeiten in der Höhe besonders unmittelbar zusammen.
  • Das Dachdeckerhandwerk hat 2025 den höchsten Stand an Ausbildungsverhältnissen seit 2003 erreicht, im ersten Lehrjahr plus 10,8 Prozent.
  • Die Ausbildungsvergütung liegt seit Oktober 2025 bei 1.000, 1.150 und 1.400 Euro monatlich, ab Oktober 2026 steigt sie erneut.

Dieser Beitrag verkauft nichts. Er erklärt, warum eine Dachsanierung so abläuft, wie sie abläuft, und warum wir bei 34 Grad im Schatten mittags nicht auf dem Dach stehen. Beides hat mit denselben Leuten zu tun.

Was macht den Beruf so anspruchsvoll?

Die Kombination aus Hitze auf der Dachfläche, hohem Materialtransport und dauerhaftem Absturzrisiko. Diese drei treffen auf anderen Baustellen selten zusammen:

  • Hitze. Dachziegel erreichen im Sommer bis zu 80 Grad Oberflächentemperatur. Wer darauf arbeitet, hat die Sonne von oben und die Abstrahlung von unten.
  • Last. Jedes Kilogramm Material muss nach oben, und der Bauschutt wieder hinunter. Ziegel, Latten, Dämmung, Bleche.
  • Höhe. Das Absturzrisiko ist dauerhaft präsent und verlangt bei jedem Handgriff Aufmerksamkeit, auch nach acht Stunden.

Dazu kommt die Wetterabhängigkeit. Ein offenes Dach lässt sich nicht einfach stehen lassen, wenn es zu regnen anfängt.

Wie geht ein Betrieb mit Hitze um?

Nicht mit Durchhalteparolen. Bei Hitze verschieben wir die Arbeitszeiten nach vorn, arbeiten die kritischen Abschnitte am Vormittag ab und legen längere Pausen in den Schatten. Getränke stellt der Betrieb, nicht der Mitarbeiter.

Für die Zeitplanung bedeutet das: An sehr heißen Tagen wird weniger geschafft. Wir sagen das offen, statt eine Bauzeit zuzusagen, die nur bei Idealwetter hält.

Was du als Kunde davon hast: Ausreichende Pausen, sichere Arbeitsbedingungen und realistische Zeitplanung sind Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten. Auf einem Dach ist ein Fehler nicht nur eine Nacharbeit, sondern oft ein Feuchteschaden, der Jahre später auftaucht.

Was tut Technik für die Entlastung?

Aufzüge und Arbeitsbühnen statt Material auf der Schulter, vorkonfektionierte Elemente statt Zuschnitt auf dem Dach, Absturzsicherung, die den Kopf frei macht.

  • Dachdeckeraufzüge und Arbeitsbühnen statt Material auf der Schulter
  • Gerüste mit Materialablage, damit weniger Wege nötig sind (mehr dazu im Beitrag Warum braucht der Dachdecker für meine Reparatur ein Gerüst?)
  • vorkonfektionierte Dämmelemente statt Zuschnitt auf dem Dach
  • Absturzsicherung, die den Kopf frei macht für die eigentliche Arbeit
  • Werkzeug mit Akku statt Kabel und Aggregat

Ein Teil dieser Technik steht im Angebot, ein Teil steckt im Verrechnungssatz. Beides ist der Grund, warum eine Dachdeckerstunde mehr kostet als eine Stunde in einer Werkstatt.

Warum bilden wir selbst aus?

Weil Fachkräfte nicht zu kaufen sind. Die Zahl der gewerblichen Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk ist 2025 bundesweit um ein Prozent gesunken.

Die gute Nachricht: Die Ausbildungszahlen steigen. 2025 erreichte das Dachdeckerhandwerk den höchsten Stand an Ausbildungsverhältnissen seit 2003, im ersten Lehrjahr ein Plus von 10,8 Prozent. Auch die Zahl weiblicher Auszubildender wächst. Wie die Ausbildung bei uns abläuft, steht im Beitrag Ausbildung zum Dachdecker in Dortmund.

Lehrjahr ab 01.10.2025 ab 01.10.2026
1. Jahr 1.000 Euro 1.050 Euro
2. Jahr 1.150 Euro 1.200 Euro
3. Jahr 1.400 Euro 1.460 Euro

Die Vergütung folgt dem bundesweiten Tarifvertrag. Wir arbeiten ausschließlich mit eigenen festangestellten Fachkräften und halten eigene Reparaturkolonnen vor, statt wechselnde Subunternehmer einzusetzen.

Was hat das mit deinem Auftrag zu tun?

Mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Ein Betrieb, der seine Leute hält, hat Leute, die das Haus vom letzten Mal noch kennen. Ein Betrieb, der ausbildet, hat in fünf Jahren noch Kapazität. Und ein Team, das ordentlich gesichert arbeitet, senkt das Unfallrisiko auf deiner Baustelle deutlich.

Was du selbst beitragen kannst, ist wenig, hilft aber: Zufahrt und Stellfläche für Gerüst und Container freihalten, Strom und Wasser bereitstellen, bei Hitze nicht auf einer festen Uhrzeit bestehen. Und wenn du zufrieden warst, sag es den Leuten, die auf dem Dach standen.

Bei uns arbeiten

Eigene festangestellte Fachkräfte, eigene Reparaturkolonnen, Ausbildung im eigenen Betrieb, dazu Technik, die schwere Arbeit abnimmt. Wenn du so arbeiten willst: Wir suchen Gesellen, Vorarbeiter und Meister und bilden selbst aus.

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Weiterlesen zu Betrieb und Ausbildung: Ausbildung zum Dachdecker in Dortmund, Warum braucht der Dachdecker für meine Reparatur ein Gerüst? und Was steckt im Stundensatz eines Dachdeckers?. Alle Beiträge im Ratgeber.

Dieser Beitrag beschreibt die Arbeitsbedingungen im Dachdeckerhandwerk und unsere betriebliche Praxis. Tarif- und Branchenangaben nach dem bundesweiten Tarifvertrag des Dachdeckerhandwerks und den Veröffentlichungen des Zentralverbands. Stand der rechtlichen Angaben: August 2026.