Ratgeber · Betrieb und Ausbildung

Was bedeutet Innungsbetrieb, und was hast du als Kunde davon?

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 23. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt
  • Eine Innung ist der freiwillige Zusammenschluss der Betriebe eines Handwerks in einer Region, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach der Handwerksordnung. Wir gehören der Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen an.
  • Die Innung regelt und überwacht die Ausbildung, nimmt Gesellenprüfungen ab, bildet fort, schließt Tarifverträge und kann bei Streit zwischen Betrieb und Kunde vermitteln.
  • Innungsbetriebe können Produkte einbauen, für die Hersteller beim Zentralverband eine sechsjährige Materialgarantie hinterlegt haben. Sie deckt Material, Ein- und Ausbau und Gerüst, gilt aber nur für die hinterlegten Produkte und unter Bedingungen.

Auf unserer Website steht an mehreren Stellen "Innungsbetrieb". Das Wort klingt nach Tradition, sagt aber erst einmal wenig darüber, was sich dahinter verbirgt und ob es für dich einen Unterschied macht. Hier ist die Einordnung, so nüchtern wie möglich.

Was ist eine Innung?

Eine Innung ist der Zusammenschluss der Betriebe eines Handwerks in einem Bezirk, freiwillig und mit einem gesetzlich festgelegten Auftrag. Die Handwerksordnung regelt sie in den Paragrafen 52 bis 78: Inhaber von Betrieben desselben Handwerks können sich "zur Förderung ihrer gemeinsamen gewerblichen Interessen" zu einer Handwerksinnung zusammenschließen; die Innung ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, und je Handwerk und Bezirk gibt es nur eine. Mitglied kann jeder Betriebsinhaber des Handwerks werden, muss es aber nicht. Das unterscheidet die Innung von der Handwerkskammer, in der jeder Handwerksbetrieb Pflichtmitglied ist.

Für Dortmund und Lünen ist das die Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen. Die Geschäftsstelle ist die Kreishandwerkerschaft Dortmund Hagen Lünen an der Langen Reihe 62 in Dortmund; deren Verzeichnis führt im September 2026 54 Innungsbetriebe. Über der Innung stehen der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Westfalen und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), der bundesweit rund 15.200 Dachdeckerbetriebe vertritt.

Was macht die Innung?

Die Aufgaben stehen im Gesetz, nicht in einer Werbebroschüre. Nach Paragraf 54 der Handwerksordnung hat die Innung unter anderem die Lehrlingsausbildung nach den Vorschriften der Handwerkskammer zu regeln und zu überwachen, Gesellenprüfungen abzunehmen, das Können von Meistern und Gesellen durch Lehrgänge zu fördern und die Berufsehre zu pflegen. Sie kann Tarifverträge schließen und, das ist der Punkt, der dich als Kunde direkt betrifft, "bei Streitigkeiten zwischen den Innungsmitgliedern und ihren Auftraggebern auf Antrag vermitteln".

  • Ausbildung. Die Innung wirkt an Ausbildung und Prüfung mit; unsere Auszubildenden legen ihre Gesellenprüfung vor einem Prüfungsausschuss ab, nicht bei uns im Betrieb. Wie die Ausbildung bei uns läuft, steht im Beitrag Ausbildung zum Dachdecker in Dortmund.
  • Fortbildung und Fachregeln. Der Zentralverband gibt das Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks heraus, die Fachregeln, nach denen wir arbeiten, und aktualisiert es laufend; Innung und Verband schulen dazu.
  • Tarif. Für Innungsbetriebe gelten die Tarifverträge des Dachdeckerhandwerks. Für unsere Leute heißt das Tariflohn und tarifliche Ausbildungsvergütung. Was vom Stundensatz beim Mitarbeiter ankommt, erklärt der Beitrag Stundenverrechnungssatz.
  • Vermittlung. Wenn Kunde und Betrieb sich nicht einig werden, kann die Innung auf Antrag vermitteln. Das ersetzt kein Gericht, ist aber ein neutraler Weg, bevor es eines braucht.

Die Materialgarantie: was sie abdeckt und was nicht

Hersteller können beim Zentralverband eine Materialgarantie hinterlegen, die nur Innungsbetrieben zusteht: sechs Jahre auf Material, Ein- und Ausbaukosten und Gerüst. Das ist der handfesteste Unterschied zu einem Betrieb ohne Innungsbindung, und er verdient eine genaue Erklärung, weil er leicht falsch verstanden wird.

Die gesetzliche Gewährleistung fragt nur, ob ein Produkt bei der Lieferung mangelfrei war. Eine Bahn, die einwandfrei geliefert wurde und sich im vierten Jahr löst, ist deshalb oft kein Gewährleistungsfall gegenüber dem Lieferanten; wer den Fehler nachweisen will, braucht Jahre später ein Gutachten am eingebauten Produkt. Die beim ZVDH hinterlegte Materialgarantie ist dagegen eine Haltbarkeitsgarantie des Herstellers im Sinne von Paragraf 443 BGB: Versagt das hinterlegte Produkt innerhalb von sechs Jahren vorzeitig, ersetzt der Hersteller das Material und dazu die Kosten für Aus- und Einbau nach ortsüblichen Stundensätzen und die Gerüstkosten. Vorher prüft der Zentralverband jedes Produkt auf Regelwerks- und Normenkonformität, und der Hersteller muss eine erweiterte Produkthaftpflichtversicherung nachweisen.

Die Bedingungen sind klar: Der ausführende Betrieb muss Innungsbetrieb sein, das Produkt muss zum Zeitpunkt des Einbaus in der Datenbank des Zentralverbands hinterlegt sein, es muss nach den Fachregeln und den Herstellervorgaben verarbeitet worden sein, und Produkt, Charge, Lieferschein, Einbaudatum und Fotos müssen dokumentiert sein. Verarbeitungsfehler deckt die Garantie nicht.

Was das für dich heißt: Die Materialgarantie gilt zwischen Hersteller und Innungsbetrieb, nicht zwischen dir und dem Hersteller. Deine Ansprüche an uns aus dem Werkvertrag, bei Bauwerken fünf Jahre ab Abnahme, bleiben davon unberührt. Der Nutzen für dich liegt dahinter: Versagt ein hinterlegtes Material innerhalb der sechs Jahre, streiten wir nicht mit dir über die Frage, wer den Ausbau und das Gerüst bezahlt, sondern melden den Fall dem Hersteller. Wir verarbeiten in der Regel Materialien und Systemlösungen, die über die ZVDH-Materialgarantie abgesichert sind; ob das für ein bestimmtes Produkt in deinem Angebot gilt, sagen wir dir vor der Bestellung, denn es hängt vom Produkt und vom Stand der Datenbank ab.

Was der Innungsbetrieb nicht bedeutet

Das Innungszeichen ist kein Gütesiegel für die einzelne Baustelle. Es sagt, dass ein Betrieb Teil der Berufsorganisation ist, ihre Regeln für Ausbildung und Tarif mitträgt und Zugang zu Fachregeln, Fortbildung und Materialgarantie hat. Ob ein Dach am Ende dicht ist, entscheidet die Arbeit auf dem Dach. Auch ein Betrieb ohne Innungsmitgliedschaft kann gute Arbeit liefern, und die gesetzliche Gewährleistung ist für beide gleich. Was du an einem Angebot prüfen solltest, steht unabhängig davon im Beitrag Wie vergleiche ich zwei Dachdecker-Angebote richtig?.

Woran du einen Innungsbetrieb erkennst

Am Innungszeichen auf Fahrzeugen, Briefbogen und Website, und verlässlicher im Betriebsverzeichnis der Kreishandwerkerschaft, das alle Innungsbetriebe der Region führt. Frag im Zweifel nach; ein Innungsbetrieb kann seine Mitgliedschaft belegen. Neben der Innung sind wir für öffentliche Aufträge präqualifiziert; was das bedeutet, erklärt der Beitrag Was bedeutet PQ-VOB?. Wie du unseriöse Angebote an der Haustür erkennst, steht im Beitrag Dachdecker an der Haustür.

Häufige Fragen

Ist die Mitgliedschaft in der Innung Pflicht?
Nein. Die Mitgliedschaft in der Handwerksinnung ist freiwillig; Pflichtmitglied ist jeder Handwerksbetrieb nur in der Handwerkskammer. Ein Betrieb, der der Innung beitritt, übernimmt deren Beiträge und Regeln, etwa zu Ausbildung und Tarif.
Habe ich bei einem Innungsbetrieb mehr Gewährleistung?
Nein, die gesetzliche Gewährleistung ist bei jedem Betrieb gleich: bei Arbeiten an Bauwerken fünf Jahre ab Abnahme. Was hinzukommt, ist die beim Zentralverband hinterlegte Materialgarantie der Hersteller für hinterlegte Produkte; sie gilt zwischen Hersteller und Innungsbetrieb und nimmt uns im Materialfall den Streit über Ausbau- und Gerüstkosten ab.
Bekomme ich bei jedem Produkt die sechsjährige Materialgarantie?
Nein. Sie gilt nur für Produkte, die der Hersteller beim Zentralverband hinterlegt hat und die zum Einbauzeitpunkt in dessen Datenbank stehen, und nur bei Verarbeitung nach den Fachregeln mit Dokumentation. Wir verarbeiten in der Regel abgesicherte Materialien; ob das für ein bestimmtes Produkt in deinem Angebot gilt, sagen wir dir vor der Bestellung.
Was kann die Innung tun, wenn ich mit meinem Dachdecker Streit habe?
Nach der Handwerksordnung kann die Innung bei Streitigkeiten zwischen einem Innungsbetrieb und seinem Auftraggeber auf Antrag vermitteln. Das ist eine neutrale Stelle vor dem Rechtsweg, keine Schiedsstelle mit bindender Entscheidung.

Fragen zu einem Angebot?

Ob Sanierung oder Reparatur: Wir sehen uns das Dach vor Ort an und sagen dir, was nötig ist. Welche Produkte in deinem Angebot über die Materialgarantie abgesichert sind, klären wir vor der Bestellung.

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Weiterlesen zu Betrieb und Ausbildung: Was bedeutet PQ-VOB, und warum ist Präqualifikation ein Qualitätsmerkmal?, Wie vergleiche ich zwei Dachdecker-Angebote richtig? und Was steckt im Stundensatz eines Dachdeckers?. Alle Beiträge im Ratgeber.

Dieser Beitrag informiert allgemein. Angaben zur Innung nach Handwerksordnung, zur Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen nach dem Verzeichnis der Kreishandwerkerschaft Dortmund Hagen Lünen und zur Materialgarantie nach Unterlagen des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Stand September 2026. Die Garantiebedingungen im Einzelfall ergeben sich aus dem jeweiligen Garantievertrag.