Ratgeber · Wissen rund ums Dach
Warum braucht der Dachdecker für meine Reparatur ein Gerüst?
Von Patrick Dietrich
· Dachdeckermeister
Aktualisiert am 31. August 2026 · 7 Min. Lesezeit
- Weil ab zwei Metern Absturzhöhe Schutzmaßnahmen zwingend sind und bei Steildächern über 22,5 Grad Dachfanggerüste oder Dachschutzwände dazugehören.
- Eine Leiter darf als Aufstieg höchstens fünf Meter Höhenunterschied überbrücken. Als Arbeitsplatz gelten noch engere Grenzen.
- Die Sicherungstechnik ist der Grund, warum eine kleine Reparatur verhältnismäßig viel kostet. Genau deshalb lohnt es sich, Arbeiten zu bündeln.
Ein verschobener Ziegel, ein undichter Anschluss, eine gerissene Verwahrung: Die Reparatur selbst dauert oft weniger als eine Stunde. Trotzdem steht im Angebot eine Position für Gerüst oder Hubsteiger, die ein Vielfaches davon ausmacht. Das ist keine Marge, sondern der Preis dafür, dass jemand sicher an die Stelle kommt. Was sonst noch in einer Dachdeckerstunde steckt, erklärt der Beitrag Was steckt im Stundensatz eines Dachdeckers?
Warum reicht keine Leiter?
Weil eine Leiter als Aufstieg höchstens fünf Meter Höhenunterschied überbrücken darf und als Arbeitsplatz nur bis zwei Meter Standhöhe uneingeschränkt zulässig ist. Ein Steildach am Einfamilienhaus liegt regelmäßig darüber.
| Standhöhe auf der Leiter | Zulässig |
|---|---|
| bis 2,00 m | uneingeschränkt |
| 2,00 bis 5,00 m | nur zeitweise, höchstens 2 Stunden je Arbeitsschicht |
| über 5,00 m | nicht zulässig |
Zwischen zwei und fünf Metern muss zudem mit beiden Füßen auf einer Stufe von mindestens 80 Millimetern Tiefe oder auf einer Plattform gestanden werden. Eine schmale Sprosse genügt dafür nicht. Und über die Traufe hinweg auf der Dachfläche zu arbeiten, ist von der Leiter aus ohnehin nicht zulässig.
Das heißt nicht, dass die Leiter verschwunden ist. Für den Aufstieg zu einem niedrigen Anbau, für eine Kontrolle an der Traufe oder für Arbeiten an einer Garage bleibt sie das richtige Mittel.
Ab welcher Höhe ist eine Absturzsicherung Pflicht?
An normalen Arbeitsplätzen ab zwei Metern, an Verkehrswegen, Treppen und Wandöffnungen bereits ab einem Meter, über Wasser oder versinkbaren Stoffen ohne jede Höhenbegrenzung.
| Situation | Schutzmaßnahmen ab |
|---|---|
| über Wasser oder versinkbaren Stoffen | ohne Höhenbegrenzung |
| an Verkehrswegen, Treppen, Wandöffnungen | 1,00 m |
| an allen übrigen Arbeitsplätzen | 2,00 m |
Es gibt eine eng begrenzte Ausnahme bis drei Meter. Sie greift nur, wenn alle Bedingungen zusammen erfüllt sind: Dachneigung höchstens 22,5 Grad, Grundfläche höchstens 50 Quadratmeter, fachlich qualifizierte und besonders unterwiesene Beschäftigte und eine deutlich erkennbare Absturzkante. Bei einem normalen Wohnhausdach ist das praktisch nie der Fall. Wie wir unsere Leute bei der Arbeit in der Höhe schützen, steht im Beitrag Knochenjob Dach.
Warum braucht es bei Steildächern ein Fanggerüst?
Weil über 22,5 Grad Dachneigung und mehr als zwei Metern Absturzhöhe Dachfanggerüste oder Dachschutzwände vorgeschrieben sind. Ein typisches Satteldach liegt bei 35 bis 45 Grad.
- Der Höhenunterschied zwischen Arbeitsplatz und Auffangeinrichtung ist begrenzt, bei Dachfanggerüsten enger als bei allgemeinen Fanggerüsten.
- Beträgt der Höhenunterschied zwischen Arbeitsplatz und Auffangeinrichtung mehr als 5,00 Meter, sind zusätzliche Schutzmaßnahmen auf der Dachfläche erforderlich, etwa Dachschutzwände.
- Die Einrichtung muss den Arbeitsbereich seitlich um mindestens 1,00 Meter überragen.
Warum ist Anseilen nicht die günstige Alternative?
Weil die Reihenfolge der Schutzmaßnahmen gesetzlich festgelegt ist. Individuelle Schutzmaßnahmen sind nach § 4 Nummer 5 des Arbeitsschutzgesetzes nachrangig.
- Absturzsicherung , also Geländer und Seitenschutz, die den Absturz verhindern.
- Auffangeinrichtung , also Fanggerüst oder Schutznetz, die den Sturz auffangen.
- Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, also Anseilschutz.
Anseilschutz ist damit die begründungspflichtige Ausnahme. Er ist zulässig, wenn technische Maßnahmen nicht möglich sind, verlangt dann aber eine besondere Gefährdungsbeurteilung, ein Rettungskonzept und gesonderte Unterweisungen mit praktischen Übungen. Billiger wird es dadurch nicht.
Wie lassen sich die Nebenkosten sinnvoll nutzen?
Indem alles, was am Dach ansteht, in denselben Einsatz gelegt wird. Der größte Teil der Nebenkosten fällt einmal an, unabhängig davon, wie viele Positionen erledigt werden.
Das ist der wichtigste Rat, den wir dazu geben können. Wenn die Zugangstechnik ohnehin gestellt wird, kostet die zweite Position deutlich weniger als die erste. Typische Kandidaten:
- Rinne und Fallrohr prüfen und reinigen lassen
- weitere verschobene oder gerissene Ziegel tauschen
- Anschlüsse an Kamin, Gaube und Wand kontrollieren
- Sicherheitsdachhaken setzen, wenn keine vorhanden sind
- Moos aus Kehlen und Entwässerungen entfernen
Was du dafür tun kannst: Sag bei der Terminvereinbarung, was dir sonst noch aufgefallen ist, auch wenn es klein wirkt. Wir sehen es uns im selben Zug an. Der zweite Anfahrtstermin ist der teure.
Was sind Sicherheitsdachhaken und warum lohnen sie sich?
Fest im Dach verankerte Anschlagpunkte für alle, die später auf das Dach müssen: Schornsteinfeger, Wartung, Reparatur. Sie machen künftige Einsätze einfacher und damit günstiger.
Sicherheitsdachhaken sind in DIN EN 517 geregelt und tragen eine CE-Kennzeichnung; fest installierte Anschlageinrichtungen fallen unter DIN EN 795. Die Tragfähigkeit bis in die Dachkonstruktion weist der Hersteller nach, für die Tragfähigkeit der Konstruktion selbst ist der Bauherr verantwortlich. In Nordrhein-Westfalen kommt eine bauordnungsrechtliche Anforderung hinzu: § 32 Absatz 8 der Landesbauordnung verlangt, dass für vom Dach aus vorzunehmende Arbeiten sicher benutzbare Vorrichtungen anzubringen sind.
Sie werden nach Herstellervorgabe in der tragenden Holzkonstruktion befestigt, meist auf dem Sparren, und in die Deckung eingebunden. Nachträglich bedeutet das, die Deckung an dieser Stelle wieder zu öffnen. Im Zuge einer Sanierung ist es dagegen ein kleiner Posten, der sich über die Jahre mehrfach bezahlt macht.
Woran erkennst du einen Betrieb, der sauber arbeitet?
Daran, dass die Sicherung steht, bevor jemand aufs Dach geht, und dass die Positionen im Angebot erklärt statt kleingerechnet werden.
- Das Gerüst steht im Angebot, mit Fläche, Standzeit und Auffangeinrichtung.
- Auf der Baustelle wird die Absturzsicherung aufgebaut, bevor jemand aufs Dach geht.
- Es wird nicht von der Leiter aus über die Traufe hinweg gearbeitet.
- Der Betrieb erklärt dir, warum eine Position nötig ist, statt sie klein zu rechnen.
- Nach Feierabend ist die Baustelle aufgeräumt, geöffnete Dachflächen sind entsprechend dem Baufortschritt witterungssicher gesichert.
Das ist am Ende auch dein Interesse. Wenn auf deiner Baustelle erkennbar ohne Schutzmaßnahmen gearbeitet wird und etwas passiert, bist du als Bauherr im Gespräch.
Häufige Fragen
Warum braucht der Dachdecker für eine kleine Reparatur ein Gerüst?
Wie hoch darf man mit einer Leiter arbeiten?
Kann man statt eines Gerüsts nicht einfach anseilen?
Reparatur beauftragen und in einem Zug erledigen lassen
Sag uns, was dir am Dach aufgefallen ist, auch die Kleinigkeiten. Wir sehen uns alles in einem Einsatz an, statt zweimal anzufahren. Der Besichtigungstermin einschließlich grober Prüfung und Angebot ist kostenlos und unverbindlich.
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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall. Maßgeblich sind die Vorschriften und Regeln der Berufsgenossenschaft sowie die Technischen Regeln für Betriebssicherheit in der geltenden Fassung. Stand der rechtlichen Angaben: August 2026.
