Ratgeber · Dach und Sanierung

Dachbegrünung in Dortmund: Förderung, Aufbau und was vorher geprüft wird

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 25. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort
  • Die Stadt Dortmund fördert Dach- und Fassadenbegrünung mit 50 Prozent der anerkannten Kosten, höchstens 50 Euro je Quadratmeter, ab 10 Quadratmetern zusammenhängender Fläche.
  • Dazu kommt auf Antrag eine Minderung der Niederschlagswassergebühr, solange die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt und anerkannt sind.
  • Vor der Begrünung eines Bestandsdachs sind Statik, Gefälle, Entwässerung und die Durchwurzelungsfestigkeit der Abdichtung zu prüfen.
Frisch angelegte Dachbegrünung mit kleinen Pflanzen im Substrat, einem Kiesstreifen am Rand und einem Geländer

Ein Gründach wird meist gebaut, weil es gefördert wird oder weil es die Abdichtung darunter schützt. In Dortmund kommt ein dritter Grund dazu: die Abwassergebühr.

Wie viel Förderung gibt es in Dortmund?

50 Prozent der anerkannten Kosten, mit einem Höchstbetrag je Quadratmeter:

Maßnahme Fördersatz Höchstbetrag
Dach- und Fassadenbegrünung 50 Prozent 50 Euro je m²
Entsiegelung 50 Prozent 20 Euro je m²

Der Gesamtförderbetrag ist auf 20.000 Euro je Person und Kalenderjahr begrenzt. Zuständig ist das Umweltamt der Stadt Dortmund.

Zwei Bedingungen, an denen Anträge scheitern: Der Antrag muss vor Maßnahmenbeginn gestellt werden, und mit den Arbeiten darf erst nach der Bewilligung begonnen werden. Wer vorher beauftragt, verliert die Förderung.

Vor der Planung anrufen. Die Mittel sind begrenzt und die Konditionen können sich ändern (Stand September 2026); ein kurzer Anruf beim Umweltamt klärt, ob aktuell Mittel verfügbar sind. Weitere Programme für das Dach stehen auf unserer Seite zur Förderung.

Was spart man bei der Abwassergebühr?

Auf Antrag mindert sich die gebührenpflichtige Dachfläche, solange die Voraussetzungen erfüllt und anerkannt sind:

Begrünung Mindestaufbau Minderung
extensive Dachbegrünung 8 cm Substrat 50 Prozent
intensive Dachbegrünung oder Retentionsdach 30 cm Substrat oder gleichwertige Rückhaltewirkung 70 Prozent

Beantragt wird die Reduzierung beim Steueramt der Stadt Dortmund, unabhängig vom Förderantrag; bei intensiver Begrünung und bei Retentionsdächern mit Fachunternehmerbescheinigung. Grundlage ist die Abwassergebührensatzung der Stadt Dortmund in der Fassung vom 19. Dezember 2025.

Was muss vor der Begrünung eines Bestandsdachs geprüft werden?

Vier Dinge:

  1. Statik. Eine extensive Begrünung wiegt im wassergesättigten Zustand etwa 80 bis 170 Kilogramm je Quadratmeter, Leichtaufbauten ab etwa 50, intensive Begrünungen ab rund 300. Das muss das Tragwerk aufnehmen können.
  2. Zustand der Abdichtung. Auf eine alte Abdichtung gehört keine Begrünung: Beim nächsten Schaden muss alles wieder herunter. Wer die Abdichtung ohnehin komplett erneuert, sollte die Solarpflicht in NRW im Blick haben.
  3. Durchwurzelungsfestigkeit. Die Abdichtung muss durchwurzelungsfest sein, geprüft nach dem FLL-Verfahren oder nach DIN EN 13948; beide Prüfungen laufen über zwei Jahre. Fehlt der Nachweis, braucht es eine separate Wurzelschutzschicht.
  4. Gefälle und Entwässerung. Die Abläufe müssen zugänglich bleiben; an Anschlüssen und Durchdringungen bleiben etwa 50 Zentimeter breite Kies- oder Plattenstreifen frei von Bewuchs. Bei geneigten Dächern braucht der Aufbau eine Sicherung gegen Abrutschen: Die Flachdachrichtlinie sieht sie für Dämmung und Abdichtung ab etwa 5 Prozent Gefälle vor, für den Begrünungsaufbau gilt die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie.

Der beste Zeitpunkt: wenn die Abdichtung ohnehin erneuert wird. Dann wird der Aufbau von Anfang an auf die Begrünung ausgelegt, und der Nachweis der Durchwurzelungsfestigkeit ist mit dem neuen Material gegeben.

Extensiv oder intensiv, was passt aufs Haus?

Auf ein normales Wohnhaus oder eine Garage fast immer die extensive Variante(zu Garagendächern siehe Garagendach undicht).

Merkmal Extensiv Intensiv
Flächengewicht 80 bis 170 kg/m², Leichtvarianten ab 50 ab etwa 300 kg/m²
Pflegegänge im Jahr 1 bis 2 4 bis 8
Wasserspeicher 20 bis 50 l/m² 40 bis 320 l/m²
Bepflanzung Sedum, Moose, Kräuter Stauden, Sträucher, Rasen

Maßgeblich für den Aufbau sind die Dachbegrünungsrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (Ausgabe 2018), für die Abdichtung darunter die Fachregel für Abdichtungen des ZVDH (Flachdachrichtlinie, Ausgabe Januar 2026). Ob die vorhandene Abdichtung eine Begrünung noch trägt, klärt der Beitrag Flachdach undicht: reparieren oder sanieren?

Was bringt ein Gründach technisch?

Vor allem Schutz für die Abdichtung darunter, deren Nutzungsdauer sich in der Regel deutlich verlängert, weil die Begrünung UV-Strahlung und Temperaturspitzen abhält.

  • Temperaturschutz. Die Temperaturamplitude an der Abdichtung sinkt von etwa 50 Kelvin bei einem schwarzen Bitumendach auf rund 10 Kelvin.
  • Regenrückhalt. Extensive Begrünungen halten im Jahresmittel etwa 65 bis 70 Prozent des Niederschlags zurück, bei Einzelereignissen liegt die Abflussreduktion bei rund 58 Prozent.
  • Hitzeschutz. Die Oberflächentemperatur liegt deutlich niedriger, der sommerliche Wärmeeintrag entsprechend geringer.

Was ein Gründach nicht ersetzt: die Wärmedämmung. Schichten oberhalb der Abdichtung werden beim U-Wert nicht angesetzt.

Geht Begrünung zusammen mit Photovoltaik?

Ja, wenn beides von Anfang an zusammen geplant wird. Module über einer begrünten Fläche arbeiten bei niedrigeren Temperaturen, was dem Ertrag zugutekommt; umgekehrt liefert die Begrünung einen Teil der Ballastierung für die aufgeständerte Anlage. Zu klären sind die Gesamtlast aus Substrat, Modulen und Ballast, die Zugänglichkeit für die Pflege zwischen den Modulen und die Verschattung, weil unter den Modulen andere Pflanzen wachsen.

Häufige Fragen

Spart eine Dachbegrünung Abwassergebühren?
Ja, auf Antrag mindert sich die gebührenpflichtige Dachfläche. Bei extensiver Begrünung ab 8 Zentimetern Substrataufbau um 50 Prozent, bei intensiver Begrünung ab 30 Zentimetern oder bei Retentionsdächern um 70 Prozent, jeweils solange die Voraussetzungen erfüllt und anerkannt sind. Die Reduzierung wird beim Steueramt der Stadt Dortmund beantragt.
Wie schwer ist eine Dachbegrünung?
Eine extensive Begrünung wiegt im wassergesättigten Zustand etwa 80 bis 170 Kilogramm je Quadratmeter, Leichtaufbauten ab etwa 50. Intensive Begrünungen beginnen bei rund 300 Kilogramm. Für Bestandsdächer ist deshalb eine statische Prüfung nötig.
Kann man ein altes Flachdach einfach begrünen?
Nur nach Prüfung. Neben der Statik müssen der Zustand der Abdichtung, die Durchwurzelungsfestigkeit und die Entwässerung stimmen. Eine Begrünung auf einer alten Abdichtung führt dazu, dass beim nächsten Schaden der gesamte Aufbau wieder herunter muss.

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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Fachplanung. Die Fördermittel sind begrenzt. Stand der Angaben zu Förderung, Gebühren und Recht: September 2026.