Ratgeber · Betrieb und Ausbildung
Ausbildung zum Dachdecker in Dortmund
Von Patrick Dietrich
· Dachdeckermeister
Aktualisiert am 23. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
Es gibt Berufe, bei denen man abends nicht sagen kann, was man den Tag über eigentlich geschafft hat. Dachdecker gehört nicht dazu. Am Ende einer Woche steht ein Dach da, das vorher nicht da war, und das wird die nächsten Jahrzehnte halten.
Dieser Text ist kein Stellenanzeigentext. Er erklärt, wie die Ausbildung wirklich abläuft, was bei uns dazugehört und was der Beruf verlangt. Auch das, was unbequem ist.
Was macht ein Dachdecker heute eigentlich?
Deutlich mehr als Ziegel verlegen. Der Beruf hat sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert, und das meiste davon hat mit Technik zu tun.
Die Ausbildungsordnung kennt fünf Schwerpunkte: Dachdeckungstechnik, Abdichtungstechnik, Außenwandbekleidungstechnik, Energietechnik an Dach und Wand sowie Reetdachtechnik. Schon diese Aufzählung zeigt, dass hinter dem Wort Dachdecker mehrere Handwerke stecken.
- Steildach. Deckungen aus Ziegeln, Betondachsteinen, Schiefer oder Faserzement, dazu Unterdeckung, Lattung und Windsogsicherung.
- Flachdach. Abdichtungen aus Bitumen- oder Kunststoffbahnen, Gefälle, Entwässerung, Anschlüsse.
- Wärmedämmung. Ein großer Teil der heutigen Aufträge ist energetische Sanierung.
- Metall und Klempnerei. Rinnen, Fallrohre, Verwahrungen, Kehlen, Anschlüsse an Kamin und Wand.
- Dachfenster. Einbau, Austausch, Anschluss, Sonnenschutz.
- Photovoltaik und Begrünung. Beides wächst seit Jahren und verlangt beides Kenntnisse über das, was darunter liegt.
Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks führt zu diesem Berufsbild die Kampagne Dachdecker Dein Beruf. Dort findest du eine bundesweite Übersicht, Ausbildungsbetriebe und einen Ausbildungsfinder.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Dual, also parallel im Betrieb und in der Berufsschule, dazu kommen Wochen im überbetrieblichen Ausbildungszentrum. Die Regelausbildungszeit beträgt drei Jahre und verkürzt sich je nach Vorqualifikation.
| Lernort | Umfang laut ZVDH |
|---|---|
| Ausbildungsbetrieb | der größte Teil der Zeit, Praxis auf realen Baustellen |
| Berufsschule | ein- bis zweimal pro Woche oder als Blockunterricht |
| Dachdecker-Ausbildungszentrum | insgesamt 15 Wochen innerhalb der drei Jahre |
Die Ausbildungsvergütung folgt dem bundesweiten Tarifvertrag des Dachdeckerhandwerks, es gibt keinen eigenen Tarif für Nordrhein-Westfalen. Seit Oktober 2025 sind es 1.000 Euro im ersten, 1.150 Euro im zweiten und 1.400 Euro im dritten Lehrjahr. Ab Oktober 2026 steigt die Vergütung auf 1.050, 1.200 und 1.460 Euro.
Nach der Ausbildung ist übrigens auch ein triales Studium möglich, das Ausbildung, Meister und Studium verbindet. Details dazu stehen bei der Kampagne des Zentralverbands.
Was lernst du bei uns?
Wir sind ein Dachdeckerbetrieb mit eigenen festangestellten Fachkräften und eigenen Reparaturkolonnen. Das heißt für dich: Du läufst nicht bei wechselnden Subunternehmern mit, sondern arbeitest von Anfang an mit denselben Leuten.
Die Bandbreite unserer Aufträge deckt einen großen Teil des Berufsbilds ab:
- Steildachsanierungen von der Abdeckung bis zur fertigen Deckung
- Flachdacharbeiten und Abdichtungen
- Reparaturen, vom verschobenen Ziegel bis zum undichten Kaminanschluss
- Dachfenster einbauen und austauschen
- Wärmedämmung am Dach und an der obersten Geschossdecke
- Klempner- und Metallarbeiten an Rinne, Fallrohr und Anschlüssen
- Arbeiten rund um Photovoltaik auf dem Dach
Besonders lehrreich sind die Reparaturen. Dort siehst du innerhalb weniger Monate mehr verschiedene Dachaufbauten und mehr Fehler aus fünfzig Jahren Baugeschichte als bei zehn Neubauten hintereinander.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Sagen wir es, wie es ist: körperlich. Du arbeitest draußen, bei Kälte genauso wie bei Hitze, auf wechselnden Baustellen und in einer Höhe, die Aufmerksamkeit verlangt. Dachziegel erreichen im Sommer bis zu 80 Grad Oberflächentemperatur, und die Sonne kommt dann von oben und von unten. Wie wir die Belastung im Betrieb mit Technik und Organisation verringern, steht im Beitrag Knochenjob Dach: wie wir unsere Leute schützen.
Dagegen steht einiges. Der Tag ist abwechslungsreich, du arbeitest im Team, du siehst dein Ergebnis, und du übernimmst früh Verantwortung für Arbeiten, die halten müssen.
Was wir dafür tun
An heißen Tagen verschieben wir die Arbeitszeiten nach vorn und legen die kritischen Abschnitte auf den Vormittag. Getränke stellt der Betrieb. An sehr heißen Tagen wird weniger geschafft, und das sagen wir bei der Terminplanung offen, statt eine Bauzeit zuzusagen, die nur bei Idealwetter hält. Wie es im Winter auf dem Dach aussieht, steht im Beitrag Dacharbeiten im Winter.
Beim Arbeitsschutz gibt es keine Auslegungssache. Die Absturzsicherung steht, bevor jemand aufs Dach geht. Aufzüge und Arbeitsbühnen nehmen den Materialtransport ab, vorkonfektionierte Elemente sparen Zuschnitt auf dem Dach, und die persönliche Schutzausrüstung wird gestellt, geprüft und ersetzt.

Was solltest du mitbringen?
Keine Vorkenntnisse. Die Kampagne des Zentralverbands nennt als schulische Voraussetzung mindestens einen Hauptschulabschluss. Wichtiger als das Zeugnis ist bei uns anderes:
- Du bist zuverlässig und pünktlich. Auf einer Baustelle hängen alle voneinander ab.
- Du hast Interesse daran, wie Dinge gebaut sind und warum sie halten.
- Du hast kein Problem mit Höhe. Das lässt sich üben, aber nicht erzwingen.
- Du arbeitest gern körperlich und draußen.
- Du kannst im Team arbeiten und sagst Bescheid, wenn du etwas nicht verstanden hast.
Und wenn du dir nicht sicher bist oder Höhenangst hast?
Dann probier es aus, bevor du dich entscheidest. Ein mulmiges Gefühl in der Höhe kennen am Anfang viele, und mit sicherem Stand auf Gerüst und Dach legt es sich oft. Wenn nicht, weißt du es lieber vor der Ausbildung als mittendrin. Ein Praktikum ist der beste Weg, um herauszufinden, ob der Beruf zu dir passt. Zwei Wochen auf der Baustelle sagen mehr als jede Berufsberatung.
Warum wir ausbilden
Weil Fachkräfte nicht zu kaufen sind. Bundesweit ist die Zahl der gewerblichen Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk 2025 um ein Prozent gesunken. Wer in fünf Jahren noch Kapazität haben will, muss heute ausbilden.
Wir wollen Fachkräfte deshalb nicht nur suchen, sondern selbst ausbilden. Wir begleiten kontinuierlich junge Menschen durch ihre Ausbildung und bringen in der Regel ein bis zwei Nachwuchskräfte pro Jahr ins Berufsleben. Das ist keine Größe, mit der wir werben, sondern eine Selbstverständlichkeit, die wir für richtig halten. Die letzten drei Auszubildenden wurden nach erfolgreichem Abschluss übernommen. Zwei ehemalige Auszubildende haben sich zum Meister weitergebildet und übernehmen heute Verantwortung in der Ausbildung.
Bundesweit sieht es übrigens besser aus, als viele denken: 2025 hat das Dachdeckerhandwerk den höchsten Stand an Ausbildungsverhältnissen seit 2003 erreicht, im ersten Lehrjahr ein Plus von 10,8 Prozent.
Was kommt nach der Ausbildung?
Mehr Wege, als die meisten vermuten. Nach dem Gesellenbrief steht dir eine ganze Reihe von Qualifikationen offen, die der Zentralverband auf seiner Kampagnenseite auflistet:
| Richtung | Beispiele |
|---|---|
| Führung im Betrieb | Kolonnenführer, Dachdeckermeister, Betriebswirt im Handwerk |
| Technische Spezialisierung | Photovoltaik-Manager, Gründach-Manager, Herstellerschulungen |
| Planung und Beratung | Techniker der Fachrichtung Bautechnik, Gebäudeenergieberater, Fachberater im Außendienst |
Der Meisterbrief ist dabei nicht nur ein Titel. Er ist die Voraussetzung, um selbst auszubilden und einen Betrieb zu führen. Und er ist der Grund, warum in diesem Handwerk Selbstständigkeit eine realistische Perspektive bleibt.
Ausbildung bei Hans Roth kennenlernen
Wenn dich der Beruf interessiert, ruf an oder schreib uns. Ein Praktikum, ein Gespräch oder ein Tag auf der Baustelle sind der einfachste Einstieg. Bewerbungsunterlagen brauchst du dafür noch nicht.
Für eine Ausbildung bewerben 0231 231279 anrufen · Alles zur Ausbildung · Wie bei uns gearbeitet wirdWeiterlesen zu Betrieb und Ausbildung: Knochenjob Dach: Wie wir unsere Leute schützen, Was steckt im Stundensatz eines Dachdeckers? und Wie lange dauert es vom ersten Kontakt bis zur fertigen Dachsanierung?. Alle Beiträge im Ratgeber.
Angaben zu Ausbildungsablauf, Schwerpunkten und Weiterbildungswegen nach der Nachwuchskampagne des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Tarifangaben nach dem bundesweit geltenden Tarifvertrag des Dachdeckerhandwerks. Stand der rechtlichen Angaben: August 2026.
