Ratgeber · Betrieb und Ausbildung

Dacharbeiten im Winter: Was geht, was wartet bis zum Frühjahr?

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 23. September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Sturmschaden im Januar wartet nicht bis April, und manche Sanierung passt zeitlich nur in den Winter. Viele Dacharbeiten gehen auch bei Kälte, wenn Material, Wetter und Sicherheit stimmen. Manches wartet dagegen besser auf mildere Tage. Hier steht, wo die Grenzen liegen und warum.

Kann man im Winter überhaupt aufs Dach?

Ja, wenn die Sicherheit stimmt. Glätte, Reif und Schnee erhöhen die Absturzgefahr. Die BG BAU verlangt, Schnee zu entfernen, Gerüste, Laufstege und Treppen zu räumen und zu streuen und auf geneigten Flächen zusätzlich persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz zu tragen. Sie weist außerdem darauf hin, dass Lichtbänder schon unter einer dünnen Schneedecke nicht mehr zu erkennen sind. Die kurzen Tage verkürzen zudem die Zeit, in der auf dem Dach sicher gearbeitet werden kann. Bei Sturm oder Eisregen ruht die Arbeit auf der Dachfläche in der Regel; eine Notsicherung erfolgt, sobald es sicher möglich ist.

Welche Arbeiten gehen auch bei Kälte?

Vieles am Steildach, dazu Reparaturen und Notsicherungen. Ziegel tauschen, Sturmschäden sichern, Rinnen und Fallrohre reparieren oder ein Dachfenster austauschen lässt sich auch im Winter erledigen, an trockenen Tagen sogar ohne große Einschränkung. Grenzen setzen die Materialien: Mörtel darf beim Abbinden nicht gefrieren, und selbstklebende Bahnen und Klebebänder haften erst ab einer Mindesttemperatur, die der Hersteller vorgibt. Firste bauen wir ohnehin meist trocken, also ohne Mörtel. Material, das warm gelagert wurde, lässt sich besser verarbeiten; kalte Bahnen sind steifer und brechen leichter.

Kann man ein Flachdach im Winter abdichten?

Das hängt vom System und vom Wetter ab. Für Bitumenbahnen nennt zum Beispiel ein großer Hersteller keine feste Untergrenze, verlangt unter plus 5 Grad aber besondere Maßnahmen. Für kaltselbstklebende Bitumenbahnen nennt ein anderer Hersteller mindestens 10 Grad bei Luft, Untergrund und Bahn. Für das Verschweißen von Kunststoffbahnen aus FPO gibt eine Verlegeanleitung eine Außentemperatur ab plus 5 Grad an. Bei Flüssigkunststoffen reicht die Spanne je nach Produkt von minus 5 Grad bis plus 5 Grad als Untergrenze, und die Oberfläche muss nach den Herstellerangaben mindestens 3 Grad wärmer sein als der Taupunkt. In jedem Fall gilt: Eis, Reif und Schnee müssen vorher herunter, und auf nassem oder gefrorenem Untergrund wird nicht abgedichtet.

Was bedeutet der Winter für eine Dachsanierung?

Mehr Planung und ein offenes Dach nur so kurz wie möglich. Wer im Winter saniert, öffnet die Fläche abschnittsweise und schließt sie am Abend wieder. Die Bahn unter den Ziegeln darf nach dem Merkblatt für Unterdächer nur so lange als Behelfsdeckung dienen, wie der Hersteller es zulässt. Nasse Dämmung wird nicht eingebaut. Zusätzlicher Winterschutz, etwa ein Wetterschutzdach über dem Gerüst, ist in der Regel nicht im normalen Preis enthalten und steht dann als eigene Position im Angebot. Rechne außerdem mit kürzeren Arbeitstagen und mehr Puffer im Zeitplan.

Was bedeutet der Winter für die Beschäftigten?

Es gibt eine eigene Regelung für die Schlechtwetterzeit. Vom 1. Dezember bis zum 31. März gibt es für das Dachdeckerhandwerk das Saison-Kurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit. Fallen Stunden wegen Frost oder Sturm aus, wird der Lohnausfall damit abgefedert. Dazu kommen ein Zuschuss-Wintergeld von 2,50 Euro je ausgefallener Stunde und vom 15. Dezember bis Ende Februar ein Mehraufwands-Wintergeld von 1 Euro je gearbeiteter Stunde. Finanziert wird das über eine Umlage, die im Dachdeckerhandwerk die SOKA-DACH einzieht. Für alle, die sich für eine Ausbildung zum Dachdecker interessieren, heißt das: Der Winter ist keine unbezahlte Pause.

Was sollte vor dem Winter erledigt sein?

Rinnen, Abläufe und lose Teile. Laub in Rinnen und Abläufen staut im Winter Wasser, das gefriert. Dachfenster mit rissigen Dichtungen lassen im Winter Zugluft und Feuchte herein, ein Blick darauf lohnt im Herbst. Lose Ziegel und Bleche sollten vor den Herbststürmen gesichert sein, und wo Dachlawinen Wege oder Eingänge gefährden können, lohnt ein Blick auf den Schneefang, siehe Schneefanggitter: Pflicht oder nicht? Was eine Wartung umfasst, steht im Beitrag Dachwartung.

Häufige Fragen

Werden Dacharbeiten im Winter teurer?
Nicht automatisch. Mehraufwand entsteht, wenn zusätzlicher Wetterschutz nötig ist oder Arbeiten wegen des Wetters unterbrochen werden müssen. Das sprechen wir vorher mit dir ab.
Was passiert bei einem Sturmschaden im Winter?
Zuerst wird gesichert, damit kein Wasser eindringt und nichts herabfällt; die endgültige Reparatur folgt, wenn das Wetter es zulässt. Was du selbst tun solltest und was nicht, steht im Beitrag zum Sturmschaden.
Muss Schnee vom Dach geräumt werden?
In der Regel nicht. Dächer werden für die Schneelast ihres Standorts bemessen. Nur bei außergewöhnlichen Mengen kann es nötig werden, und dann gehört das nicht in Eigenregie aufs Dach, sondern in die Hand von Fachleuten mit Absturzsicherung.

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Weiterlesen zu Betrieb und Ausbildung: Sturmschaden am Dach: Was zuerst passiert, Schneefanggitter: Pflicht, sinnvoll oder überflüssig? und Dachwartung: Was dabei geprüft wird. Alle Beiträge im Ratgeber.

Dieser Beitrag informiert allgemein. Verarbeitungstemperaturen sind Herstellerangaben und gelten nur für das jeweilige Produkt; maßgeblich sind die aktuellen Verlegeanleitungen. Angaben zum Saison-Kurzarbeitergeld nach dem Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit, Stand Dezember 2025.