Ratgeber · Reparatur und Wartung

Kehle undicht oder verstopft: Woran du es erkennst

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 23. September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Wo zwei Dachflächen in einer Innenecke zusammenstoßen, liegt die Kehle. Sie arbeitet wie eine Rinne im Dach: Das Wasser beider Flächen läuft hier zusammen, dazu Laub, Moos und im Winter Schnee. Deshalb gehört sie zu den häufigsten Leckstellen am Steildach.

Warum ist die Kehle so empfindlich?

Weil sie mehr Wasser führt als die Fläche und flacher liegt als das Dach selbst. Der Kehlsparren läuft schräg durch die Ecke und hat deshalb eine geringere Neigung als die beiden Dachflächen. Die Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen legt für gedeckte Kehlen aus Ziegeln, Bibern oder Schiefer Mindestneigungen des Kehlsparrens fest, je nach Kehlart zwischen 25 und 35 Grad; für Metallkehlen gelten eigene Regeln. Den gebündelten Wasserlauf, etwa wo Kehlen zusammentreffen, wertet sie als erhöhte Anforderung.

Dazu kommt das Laub. Bleibt es liegen, staut sich das Wasser, läuft seitlich unter die Ziegel und findet seinen Weg nach innen. Im Winter sammelt sich Schnee in der Kehle, und wenn er von unten taut, kann Schmelzwasser hinter Eis und Schnee zurückstauen. Deshalb muss die Schicht unter den Ziegeln gerade im Kehlbereich intakt sein.

Besonders anfällig sind Kehlen neben Gauben und Anbauten. Dort ist die Kehle oft kurz, liegt im Schatten und bekommt Wasser von zwei Seiten und von oben.

Woran erkennst du eine undichte Kehle?

Innen an Flecken in der Ecke, außen an Laubpolstern, Rost und Rissen.

  • Feuchte oder dunkle Stellen an der Innenecke im Dachgeschoss, meist bei starkem Regen
  • nasses oder verfärbtes Holz am Kehlsparren auf dem Dachboden
  • vom Boden aus mit dem Fernglas sichtbar: Laub und Moos in der Kehle, verschobene Ziegel entlang der Kehle
  • rostige, grünliche oder gerissene Stellen am Kehlblech
  • die Dachrinne unter der Kehle läuft bei Starkregen über

Der beste Moment für den Blick nach oben ist ein kräftiger Regen. Läuft das Wasser an der Kehle über die Ziegel in die Fläche, statt in der Kehle zur Rinne zu fließen, ist sie zugesetzt oder zu schmal.

Welche Kehle hat dein Dach?

Meist eine Metallkehle, bei älteren und besonderen Dächern auch eine gedeckte Kehle. Bei der Metallkehle liegt ein Blech aus Titanzink, Kupfer oder Aluminium unter den seitlich zugeschnittenen Ziegeln, die es nach der Fachregel mindestens 10 Zentimeter überdecken. Gedeckte Kehlen aus Biberschwänzen, Schiefer oder Formziegeln sieht man vor allem auf Altbauten und Denkmälern.

Auch beim Material gibt es Regeln: Kehlbleche aus Kupfer oder Zink müssen nach der Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk mindestens 0,7 Millimeter dick sein, und Kupfer darf nicht über Zink oder verzinktem Stahl liegen, weil das abfließende Wasser das Zink angreift. Solche Mischungen sehen wir an älteren Dächern, wenn einzelne Teile nachgebessert wurden.

Gelegentlich finden wir unter den Ziegeln eine Kehle aus Bahnresten oder Folie. Das ist ein Behelf und keine fachgerechte Kehle.

Reicht es, die Kehle zu reinigen?

Wenn nur Laub darin liegt, ja. Dann wird sie gereinigt, und die angrenzenden Ziegel werden gerichtet. Ist das Blech durchgerostet, gerissen oder zu schmal, oder sitzen die schmalen Ziegelstücke an der Kehle lose, wird die Kehle erneuert: Deckung entlang der Kehle aufnehmen, die Unterlage prüfen und eine morsche Kehlschalung ersetzen, neues Kehlblech einbauen, die Ziegel neu zuschneiden und befestigen. Die übrige Dachfläche bleibt dabei liegen.

Vorbeugen lässt sich vor allem mit der Schere: Äste, die über die Kehle ragen, zurückschneiden. Je weniger Laub hineinfällt, desto seltener muss jemand hinauf.

Wie oft sollte die Kehle kontrolliert werden?

Bei jeder Dachwartung und nach dem Laubfall, wenn Bäume in der Nähe stehen. Die Fachregel empfiehlt Wartungsintervalle nach dem Alter des Daches, ab dem 15. Jahr alle zwei Jahre. Wir raten bei älteren Dächern zu einer jährlichen Kontrolle, und bei großen Bäumen am Haus zu einem Blick in die Kehle jeden Herbst. Was eine Wartung umfasst, steht im Beitrag Dachwartung: Was dabei geprüft wird.

Häufige Fragen

Kann ich die Kehle selbst vom Dachfenster aus sauber machen?
Davon raten wir ab. Die Kehle liegt tiefer als die Fläche, das Laub ist oft nass und rutschig, und ohne Absturzsicherung reicht ein falscher Schritt. Lass die Kehle bei der Wartung reinigen, am besten nach dem Laubfall.
Was kostet eine neue Kehle?
Das hängt von Länge, Dachneigung, Deckung und Zugang ab, eine Pauschale wäre unseriös. Nach der Besichtigung steht der Preis im Angebot, aufgeschlüsselt nach Positionen.
Muss beim Erneuern der Kehle das Dach gedämmt werden?
Nein. Die Erneuerung einer Kehle ist eine Reparatur und löst keine Dämmpflicht aus. Die gilt erst, wenn mehr als zehn Prozent der Dachfläche erneuert werden.

Kehle prüfen und instand setzen lassen

Wir reinigen die Kehle, prüfen Blech, Unterlage und Anschlüsse und erneuern sie bei Bedarf, ohne die ganze Dachfläche abzudecken. Eine undichte Stelle kannst du direkt online beauftragen (Kostenobergrenze 1.200 Euro brutto, Abrechnung nach Aufwand); reicht eine Reparatur nicht, sagen wir es dir vor Beginn.

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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Beurteilung deines Dachs vor Ort. Maßgeblich ist das Regelwerk in der geltenden Ausgabe.