Ratgeber · Reparatur und Wartung

Dachwartung: Was dabei geprüft wird

Von Patrick Dietrich · Dachdeckermeister
Aktualisiert am 23. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt
  • Der praktische Nutzen ist der wichtigste: Kleinschäden, die früh gefunden werden, bleiben Kleinschäden.
  • Eine gesetzlich vorgeschriebene Kontrollfrist gibt es nicht. Wir empfehlen die jährliche Kontrolle, beim Flachdach im entsprechenden Wartungsmodell zweimal im Jahr; wichtig ist, dass Kontrollen belegbar sind.
  • Beim Flachdach sind die Intervalle enger als beim Steildach, weil Abdichtung und Entwässerung empfindlicher reagieren.

Wartung klingt nach einer Sache, die man verschieben kann. Der eigentliche Grund, sie nicht zu verschieben, ist einfach: Fast jeder große Dachschaden hat als kleiner angefangen, und die meisten kleinen sind bei einer Kontrolle sichtbar, lange bevor innen etwas ankommt.

Was wird bei einer Dachwartung geprüft?

Deckung oder Abdichtung, alle Anschlüsse und Durchdringungen, die komplette Entwässerung und die Sicherheitseinrichtungen. Kleine Mängel werden dabei direkt behoben.

  • Sichtprüfung der Deckung oder Abdichtung, dazu First, Grat, Kehlen und Ortgang
  • Anschlüsse an Kamin, Gauben, Wänden und Dachfenstern
  • Zustand der Unterdeckung, soweit einsehbar
  • Reinigung von Rinnen, Abläufen, Fallrohren und Notüberläufen (siehe Dachrinne undicht oder verstopft)
  • Austausch schadhafter oder verrutschter Ziegel
  • Entfernen von Schmutz und Bewuchs an kritischen Stellen
  • Kontrolle der Anschlageinrichtungen und Sicherheitsdachhaken
  • Blick in den Dachraum auf Feuchtespuren am Holz
  • schriftlicher Bericht mit Befunden, Fotos und Datum

Der Bericht ist der eigentliche Wert. Er hält fest, wann geprüft wurde, was geprüft wurde und was dabei herauskam. Ohne Dokumentation nützt die beste Wartung im Streitfall wenig, und du selbst weißt beim nächsten Mal nicht mehr, was letztes Jahr schon auffällig war.

Was bringt eine Dachwartung praktisch?

Sie findet die Schäden, die noch günstig zu beheben sind.

Das sind in der Praxis meist dieselben: ein verrutschter Ziegel am Ortgang, eine gelöste Verwahrung am Kaminanschluss, ein gerissenes Kehlblech, ein Rinnenhalter, der sich verabschiedet, Bewuchs, der den Ablauf zusetzt.

Jeder dieser Befunde ist im Rahmen einer Wartung eine Sache von Minuten. Derselbe Befund zwei Winter später bedeutet durchfeuchtete Dämmung, ein geöffnetes Dach und eine Reparatur mit eigener Anfahrt und eigener Sicherungstechnik.

Wie oft sollte ein Dach kontrolliert werden?

Unsere Empfehlung: beim Steildach einmal jährlich, beim Flachdach im entsprechenden Wartungsmodell zweimal im Jahr, jeweils zusätzlich nach Sturm, Hagel oder Starkregen. Ob deine Deckung gegen Windsog gesichert ist, klärt der Beitrag Sturmklammern nachrüsten.

Dachart Unsere Empfehlung
Steildach mit Ziegeln oder Steinen einmal jährlich, dazu nach Unwettern
Flachdach mit Abdichtung ein- bis zweimal jährlich, dazu nach Extremwetter
Dach mit Begrünung zweimal jährlich wegen Bewuchs an den Abläufen
gedrosselte Dachabläufe mindestens alle sechs Monate, je nach Herstellerangabe und DIN 1986-3 auch häufiger

Eine gesetzlich festgelegte Kontrollfrist für jedes Dach gibt es nicht. Die Intervalle oben sind unsere Empfehlung beziehungsweise unser Wartungsmodell: ein jährlicher Wartungsvertrag, jährlich kündbar, bei Flachdächern im entsprechenden Modell mit zwei Kontrollen im Jahr. Unabhängig davon trifft den Eigentümer die Verkehrssicherungspflicht, und im Streitfall zählt, ob Kontrollen nachweisbar stattgefunden haben.

Zum Vergleich: Die Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen des ZVDH, Stand April 2024, empfiehlt bis zum fünften Jahr keine Wartung, ab dem sechsten Jahr alle drei Jahre und ab dem 15. Jahr alle zwei Jahre, jeweils mit Stichproben an der Befestigung, ab dem 15. Jahr auch an der Lattung. Nach einem Sturm oberhalb von Windstärke 8 soll so schnell wie möglich nachgesehen werden, und Besonderheiten am Objekt können die Abstände verkürzen.

Die regelmäßige Inspektion legt die Fachregel ausdrücklich in die Verantwortung des Eigentümers. Unsere Empfehlung einer jährlichen Kontrolle ist strenger. Wir halten sie für richtig, weil sich Schäden an älteren Dächern schnell ausweiten können, und die Rechtsprechung sieht es ähnlich: Das Landgericht Dortmund hat 2017 für ältere Dächer eine jährliche gründliche Sichtkontrolle verlangt (Urteil vom 27.04.2017, Az. 11 S 72/16). Den Fall beschreibt der Beitrag Sturmklammern nachrüsten.

Für Dachabdichtungen regelt DIN 18531-4 die Instandhaltung. Die Fachregel für Abdichtungen des ZVDH (die Flachdachrichtlinie, Ausgabe Januar 2026) macht daraus konkrete Vorgaben: zwei Inspektionen im Jahr, mindestens eine Wartung im Jahr mit Reinigung der Abläufe, alles schriftlich festgehalten. Welche Intervalle im Einzelfall sinnvoll sind, richtet sich nach Aufbau, Nutzung und Entwässerung des Dachs.

Warum ist Wartung beim Flachdach besonders wichtig?

Weil ein Flachdach Wasser nicht abfließen lässt, sondern führt. Fällt die Entwässerung aus, steht das Wasser auf der Abdichtung.

Am Flachdach sind es fast immer dieselben Schwachstellen: zugesetzte Abläufe, Bewuchs in Kiesflächen, Risse an Anschlüssen und Durchdringungen, gelöste Bahnenränder nach Sturm. Alles davon ist bei einer Kontrolle sichtbar und im frühen Stadium klein zu beheben.

Der teure Fall am Flachdach ist die durchfeuchtete Dämmung. Sie trocknet im Aufbau nicht mehr von selbst, und dann geht es nicht mehr um eine Abdichtungsreparatur, sondern um den Aufbau. Genau diesen Punkt verschiebt regelmäßige Wartung nach hinten.

Was, wenn du selbst nicht mehr aufs Dach steigen kannst?

Musst du auch nicht: Aufs Dach gehören ohnehin nur Leute mit Absturzsicherung. Vieles siehst du trotzdem selbst, vom Boden aus mit einem Fernglas verschobene Ziegel und volle Rinnen, vom Dachboden aus Flecken und Tropfspuren am Holz. Den Rest übernimmt die Wartung. Wir sehen uns das Dach an, bei Bedarf auch mit der Drohne, und du bekommst einen Bericht mit Fotos, ohne selbst eine Leiter anzufassen. Mit einem Wartungsvertrag terminieren wir die Wartung jedes Jahr selbst und melden uns vorher bei dir.

Was regelt ein Wartungsvertrag?

Er legt fest, was in welchem Rhythmus geprüft wird, was dabei ohne Rückfrage erledigt wird und was gesondert angeboten wird.

Sinnvolle Bestandteile sind:

  • Intervall und Zeitraum der Begehungen
  • Umfang der Prüfung, aufgeschlüsselt nach Bauteilen
  • welche Kleinarbeiten ohne Rückfrage ausgeführt werden, etwa Ziegeltausch und Reinigung
  • Grenze, ab der ein gesondertes Angebot erstellt wird
  • Form der Dokumentation
  • Regelung für zusätzliche Begehungen nach Unwettern
  • Laufzeit und Kündigungsfrist

Der Preis richtet sich nach Dachfläche, Dachart, Zugänglichkeit und dem vereinbarten Umfang. Weil die Zugänglichkeit den größten Anteil ausmacht, lohnt es sich, Wartung mit anderen anstehenden Arbeiten zu bündeln.

Was hat die Versicherung damit zu tun?

Die Musterbedingungen der Wohngebäudeversicherung machen die ordnungsgemäße Instandhaltung von Dächern und wasserführenden Anlagen zur Obliegenheit vor dem Schadenfall.

Wird diese Obliegenheit verletzt, kann das je nach Vertrag und Umständen dazu führen, dass der Versicherer ganz oder teilweise nicht leistet. In einem Fall hat ein Gericht die Leistung abgelehnt, weil die Dacheindeckung bereits vor dem Sturm funktionsunfähig war.

Kein Automatismus in beide Richtungen. Eine dokumentierte Wartung ist kein Garant dafür, dass im Schadensfall gezahlt wird, und eine versäumte Wartung führt nicht zwangsläufig zur Ablehnung. Sie verbessert aber deine Position spürbar, weil du den Zustand deines Dachs belegen kannst. Maßgeblich ist im Einzelfall dein Vertrag.

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Wir prüfen dein Dach vollständig, beheben Kleinigkeiten direkt und liefern einen schriftlichen Bericht, den du auch deiner Versicherung vorlegen kannst.

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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Maßgeblich sind dein Versicherungsvertrag und das Regelwerk in der geltenden Ausgabe. Stand der rechtlichen Angaben: August 2026.